1. Sommerrundgang im Klinikviertel Freiburg am 28. Juli 2012

Unser letztjähriges NACHMITTAGSPROGRAMM wurde vom DUO IPERTONI begleitet, sie zogen mit einer Hang & einem Chello durch die fünf offenen Häuser des Klinikviertels und bespielten sie abwechselnd. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an Joscha Baltes und David Neuffer. Zum gemeinsamen ABENDPROGRAMM trafen sich alle zu Musik und Tanz bei Lucie Betz im Theater Nuage Fou.

Programmarchiv 2012

BLUTKUNST

// Kaffee und Kuchen

// Kinderschminken

// Für Tattooterminvereinbarungen gibt es heute 10% Rabatt

KOMMODE 1

// Kurzfilmvorführung im Hinterhof: L´ENFANT ET LES SORTILÉGES DE MAURICE RAVEL ein poème visuel von Jan Deichner

// Goran Kojic am Flügel im Musikzimmer: Reise in die Traumwelt - der Pianist spielt für uns aus seinem ersten Soloalbum

// Ausstellung: Fotografien von Jan Deichner im Musikzimmer

KUNSTRAUM FOTH

// Ausstellung - Bertold Stallmach: Gefahren der Liebe

// Filmprojektionen von Susana Perrottet & Bertold Stallmach

// Fassadenprojektionen ab Einbruch der Dunkelheit von Susana Perrottet

THEATER NUAGE FOU

// Installation von Igor Bleischwitz

// Gemeinschaftsprojekt im Theaterraum: Mensch? mit Igor Bleischwitz und Lucie Betz

// Butoh Performance mit Lucie Betz

PLAN B

// Ausstellung - Lukas Schneeweiss: A LITTLE BIT OF EVERYTHING AND A LOT OF NOTHING

GEMEINSAMES ABENDPROGRAMM IM THEATER NUAGE FOU

// 20 Uhr Butoh Performance mit Lucie Betz

// 22 Uhr Konzert mit dem Frederik Heisler Trio

// Austausch - Abschluss im Foyer

Pressearchiv 2012

KUNST JENSEITS DER BAHNLININE Das Klinikviertel als "Kulturexil": Buntes Programm am Samstag.
Artikel vom 27. Juli 2012, veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung - von Anja Bochtler

STÜHLINGER. Sie kennen sich, schließlich sind sie Nachbarn. Und ab und zu machen sie auch Projekte zusammen. Irgendwann tauchte dann die Idee auf – und zwar in der "Kommode 1", von wo aus die Fotografin Juli Richter und der Kameramann Maximilian R. Schneider Musikerinnen und Musiker unterstützen: Es soll öffentlicher werden, was bei ihnen alles los ist. Darum findet morgen der erste Sommerrundgang "Kulturexil Klinikviertel" statt. "Wir zeigen das kulturelle Leben jenseits der Bahnlinie", sagt der Kunststudent Lukas Schneeweiss von "Plan B". Netzwerke untereinander sind bei ihnen völlig alltäglich: Richtig los ging’s 2010, als Juli Richter und ihr Freund Maximilian R. Schneider mit zwölf Künstlern ein Gemeinschaftsatelier bezogen – wenn auch nur für einen Sommer. Damals noch nicht im Klinikviertel, sondern in einer alten Autowerkstatt, die der Brauerei Ganter gehörte. Als in der Büggenreuterstraße Büroräume frei wurden, zogen Juli Richter und ihr Freund ein. Seitdem leben und arbeiten sie in der "Kommode 1". Von da aus halten sie – neben ihren "Brotjobs" in der Medienbranche – internationale Kontakte u Künstlern aufrecht und arbeiten vor allem mit Musikern zusammen.

Auch die "Plan B"- Ausstellungsmacher hatten einst in der alten Ganter-Werkstatt begonnen, allerdings in anderen Räumen als die "Kommode 1"-Gründer. Längst sind die "Plan-B"-Kunst-Studierenden, die eigene Werke und die von anderen präsentieren, in den Pavillon in der Heiliggeiststraße umgezogen, der früher als Blumenladen und dann als medizinische Buchhandlung genutzt wurde. Er gehört der Uniklinik, die Studierenden und ihre Konzepte wechseln immer wieder – so wie im Herbst, wenn sich "Plan B" in "Barcelona" umbenennen will. Kunst im Pavillon und auf der Haut Sehr konstant und mit längerer Geschichte als alle anderen hier ermöglicht Markus Foth im "Kunstraum Foth" in der Barbarastraße Einblicke in die Arbeit von Künstlern. Er selbst hat auch mal Kunst studiert, stellt aber nie eigene Werke aus, sondern immer nur die von anderen. Er wohnt neben den Ausstellungsräumen, sein Kunstraum verfolgt keine kommerziellen Ziele. Im Gegensatz dazu versuchen die Künstlerin Lucie Beth mit dem "Theater Nuage Fou" und Alina Häcker und Heiko Eschbach, die das Tattoostudio "Blutkunst" betreiben, sich mit ihrer Arbeit ihren Lebensunterhalt zu sichern. Lucie Beth ist Französin und Tänzerin, sie hat 2010 das erste Butoh-Tanz-Festival in Freiburg organisiert. Vor einem Jahr hat sie ihr "Theater Nuage Fou" (übersetzt: "Verrückte Wolke") eröffnet, in Räumen der evangelischen Luthergemeinde, die früher als Kino genutzt wurden und danach vorübergehend an eine Tanzschule vermietet waren. Lucie Beth hat dort viel renoviert, inzwischen gibt sie Butoh-Tanzunterricht und -Workshops, ab und zu finden bei ihr auch Konzerte oder Kunst-Installationen statt. Sie träumt davon, auch die Kino-Vergangenheit mit experimentellen Filmen wieder neu zu beleben. Ihr ist die Idee wichtig, alternative Räume für Künstler zu schaffen, zum Austausch und Ausprobieren. Sie ist für vieles offen: "Das ist alles noch am Wachsen." Noch ziemlich neu ist auch das Tattoo-Studio "Blutkunst". Vor rund einem halben Jahr zog es gegenüber der "Kommode 1" in der Büggenreuterstraße ein und bietet Piercing und Tätowierungen an. "Kunst auf der Haut", nennt das Juli Richter, "eine andere, spannende Perspektive von Kunst." Vielleicht leben und arbeiten im Klinikviertel noch andere, die ebenfalls unter einen weiten Kunstbegriff fallen – das bisherige Fünfer-Netzwerk würde sie gern mit in die Runde aufnehmen. Die Rundgangs-Idee soll keine einmalige Aktion sein, sondern sich ebenso etablieren wie die Kunst in einer Gegend, die viele erstmal überhaupt nicht mit Kunst verbinden. Eingeladen sind alle: Vor allem auch die Nachbarn, die bisher teils nichts davon wissen, was neben ihnen passiert.